Neues und Aktuelles Januar

Das RACE 2004 wirft seine Schatten voraus

Start am 29 Februar 2004 in Marseilles. Der Kurs beleibt der "alte" rund um die drei Kaps. Distanz ca. 23 300 nautische Meilen (mehr als 43 000 Kilometer)


Die Veranstalter wollen jetzt analog zu anderen "Weltmeisterschaften" das RACE alle 4 Jahre durchführen, also nach 2000 jetzt wieder 2004, dann 2008, usw. Insgesamt soll ein richtiger Rennzirkus für die Multihull-Giants auf die Füsse gestellt werden, der z.B. auch die Jules-Vernes-Trophy und diverse Rekordfahrten (Atlantik, Pazifik) beinhaltet. Diese durchgängige, weltweite Veranstaltungsreihe, The Race Tour genannt, wird letztlich nötig, um die hochbezahlten Crews und Skipper rund ums Jahr beschäftigen zu können (keine Regatten = keine Promotion = kein Geld). Es wird ein bisschen wie in der Formel 1 oder im automobilen Rallyesport aussehen. Jedes Boot/Team kann in diversen Regatten irgendwo am Globus Punkte einfahren, die in einem Rankingsystem abgebildet werden.

Dass dazu natürlich auch neue Boote gebaut werden müssen, versteht sich von selbst. Es wird von einer neuen 80' One-Design Klasse gesprochen, aber auch die "Veteranen" wie Orange, Maiden II (Ex-ClubMed) oder Playstation werden sicher wieder aufgepäppelt. Es wird sogar davon gesprochen Maxi-Monos mitfahren zu lassen (Igittigitt).


Katamaranbau in Australien, ein Leserbrief

Ich teile die Freude des Autors an Klima und Können bei Tabuteau Marine.

(
siehe Bericht dazu)

Die Devise "machen, machen, machen" trägt Früchte. Hier war gleiches möglich, als ich vor fast 25 Jahren mit dem Catamaranbau anfing. Damals störte nur die Handwerkskammer. Zum Thema:

Wie beim Auto entscheidet oft die Ästhetik des Designs anstelle rationaler Argumente über einen Kauf. Dazu tragen auch gekonnte Renderings bei, deren Unterschied zur Wirklichkeit am Beispiel Modell und Fotos der Wilderness im Bau zu erkennen ist.

Die Platten-Bausatz-Methode ist zweifellos ein rationelles Verfahren. Ohne diese Idee von Derek Kelsall (www.Kelsall.com) hätte ich selbst nicht ca. 35 seegehende multihulls bauen können. Heute fertigen wir sowohl auf einem 40 m² Laminiertisch als auch in Negativformen moderne Catamarane mit Hilfe von Vakuum.

Im Unterschied zu den australischen ATL Platten sind unsere spiegelglatt. Wir haben 2002 über 6000 m² produziert. Für einen 13 m Cat werden 280 m² gebraucht. Die Zeitersparnis von 1000 Stunden mit Plattenbau ist real, im Fall Schionning geht der Vorteil jedoch vollständig verloren durch das elende Schleifen, Spachteln, Schleifen, Lackieren, das ansteht ( s.Fotos des Berichts ). Es sei denn, der Kunde verzichtet auf ein mittel/nordeuropäisches Finish. Da freue ich mich jeden Tag an unseren spiegelnden Oberflächen. Ein zweiter Punkt betrifft die Plattenmaße. Es macht keinen Sinn, aus logistischen Gründen ein Schiff zusammenzustückeln. Allein schon wegen des Strakens der Linien. Und man fragt sich: machen die Platten das Schiff aus oder das Laminat, das sie zusammenhält ? Es ist ein Jammer um jede zerschnittene Faser. Die im Bericht angenommenen Stundensätze gelten natürlich nicht für Ostdeutschland, Tschechien oder Polen. Und auch ein Wettbewerber hat in Litauen nicht zu westdeutschen Stundenlöhnen produziert. Trotzdem bleibt ein Delta zu den Sätzen in der neuen Welt, gleiches know how und Engagement angenommen.

Zum Thema Ausbildung und Können äußere ich mich nicht aus Verzweiflung. Preistreibend wirken die Bürokratien, deren "Leistung" nicht über den Wettbewerb bewertet wird. Verständlich auch die Unlust zu arbeiten, wenn vom Brutto gerade die Hälfte als Netto bleibt. Als ich 1978 nach einem Jahr als Skipper in Griechenland wieder in Deutschland auf Lohnsteuerkarte gearbeitet und meinen ersten Lohnzettel gelesen hatte, war sofort Schluß damit für immer. Gut zu verstehen, wer sein Glück im Ausland sucht.

Als Vorteil eines Bauprojekts in Australien oder Neuseeland stellt sich also nicht die Bauqualität heraus, sondern der Preis. Der Kunde füttert nicht über die Nebenkosten noch etliche Leute, die nicht arbeiten, d.h. Werte schaffen. Es sind Struktur und Mentalität unserer Gesellschaft, die den Unterschied machen

Mit den besten Wünschen für einen erfolgreichen Abschluß des Projekts

Burkhard Bader


Deutsche Crew von einem BaltiCat vor den Azoren abgeborgen

Am Nachmittag des 18.Oktober erreichte mich in der Werft ein Anruf, den ich so schnell nicht vergessen werde. Das Marine Rescue Coordination Center in Bremen fragte nach weiteren Angaben über die von mir gebaute und 2mal über den Atlantik gesegelte BaltiCat 42.Genaue Schiffsdaten,Rufzeichen und Epirp-Daten wurden verlangt. Die Crew hatte in einem starken Sturm mit 7-8 m hohen Wellen SOS gefunkt. Ein Crewmitglied sollte abgeborgen werden.

Der Schiffsführer und ein weiteres Crewmitglied wollten aber weiterhin an Bord bleiben. Ich buchte sofort für den nächsten Tag einen Flug über Faro/Portugal und Lissabon nach Teceira/Azoren, um eventuell an Bord helfen zu können.

Im wasserdichten Gepäck hatte ich nur Tauchanzug, Flossen, GPS-, UKW-Handy und Karten. Als ich am nächsten Morgen eine Stunde vor Abflug hörte, dass auch der Rest der Crew sich abbergen lassen wollte, lud ich noch meinen Freund Hans Peter ein, der als Kampfschwimmer und Segler auch zu den robusteren Naturen gehörte. Einen in Aussicht gestellten Absprung aus einem Hubschrauber irgendwo im Atlantik ließen ihn alle anderen Törnverpflichtungen sofort vergessen.

Während meines Fluges von Lissabon nach Teceira steckte ich der Stewardess eine Nachricht für den Piloten zu und 10 Minuten später saß ich schon im Cockpit. Die Nachricht von der Abbergung war abends zuvor in den Hauptnachrichten in ganz Portugal zu sehen gewesen, da hilft man doch gern... Im Zielgebiet ging der Pilot auf 7 Kilometer Flughöhe runter. Die mir bekannten Koordinaten bei der Abbergung waren im Bord-GPS eingegeben und die Flugroute mußte wohl auch nur geringfügig geändert werden. Aber in der aufgewühlten See hätte man aus der Höhe selbst ein Containerschiff schwer erkennen können.

Zwei Tage brauchten wir auf Teceira, um mit der amerikanischen Hubschrauberbesatzung zu sprechen, die die Abbergung gemacht hatte, ein großes schnelles Motorboot zum chartern zu finden und um ein Suchflugzeug zu organisieren. Eine Suche mit dem Hubschrauber war nicht mehr möglich, weil das Boot aus der möglichen Flugreichweite gedriftet war. Eine Suche nach dem Schiff hielt ich aber für sinnvoll, weil der BaltiCat beim Verlassen noch völlig intakt war. Lediglich die Rollgenua war zerfetzt und eine der zwei Maschinen ließ sich nicht mehr starten. Das Boot hing an einem Seeanker (leider wohl quer zum Wind) und trieb langsam mit 0,8 sm/h Richtung Madeira. Auch hatte sich der Wind schon schnell nach der Abbergung beruhigt.

So rief ich den Gutachter der Versicherung in Deutschland an ,um ihm den Fortschritt mitzuteilen. Ich dachte, dass die Versicherung ein Interesse an der schnellen Bergung des Schiffes hatte (Wert über 250 Tsd €). Alles war recherchiert, das einzige Flugzeug gechartert, ein Boot mit Besatzung zum Bergen stand auf stand by, das Wetter hatte sich beruhigt, etliche Segler hatten ihre Hilfe angeboten und Hans Peter und ich wären auch zur Not mit dem Fallschirm abgesprungen. Die Versicherung bot mir 30 Tsd.€ für eine erfolgreiche, aber von mir selbst finanzierte Bergung an, ohne selbst ein Risiko zu tragen . Unfassbar !!! Die hatten doch tatsächlich das Boot schon abgeschrieben, wahrscheinlich längst die Rücklage gebildet. So wird von manchen Versicherungen mit unseren Prämien umgegangen...

Also flog ich auf die Azoren, um erst dem Eigner und dann der Versicherung behilflich zu sein. Aber der Eigner war bereits nach Deutschland abgereist und der Versicherung war es auch egal, was mit dem Boot passiert. Da war meine Entäuschung groß. Ich betrachte jedenfalls jedes von mir gebaute Schiff wie ein Teil von mir, zumal ich mit diesem Schiff über 11.000 Seemeilen zurückgelegt hatte.

Mittlerweile hatte ich gutes Material über Strömung, Wind und Welle von der amerikanischen Airbase auf Teceira für die letzten 5 Tage. Eine Nacht koppelte ich noch mit den neuesten Daten und, 4 Tage nach dem ersten Anruf in Deutschland, flogen wir mit einer schön teuren, sonst geschäftlich genutzten Beachcraft ins vermeintliche Zielgebiet. 8 weiße Ledersitze mit mamorierten Backgammontischen und eigener Bar wurden von 2 jungen süddeutschen Piloten geflogen. Mit an Bord waren einige deutsche "Azorianer" aus der Yachtszene - 7 Paar Augen sehen einfach mehr.

Als wir nach einer Stunde im Zielgebiet ankamen, war die Sicht dort aber sehr schlecht. Im Tiefflug von 100 m Höhe flogen wir durch den Regen. Um das Gebiet möglichst großflächig abzusuchen, drehten wir Runden mit 4 Meilen Abstand. Leider mußten wir die Suche nach 3 Stunden erfolglos abbrechen. Am nächsten Tag wurde mit demselben Flieger eine im selben Orkan verlassene, durchgekenterte englische Yacht aufgefunden. Der Fundort befand sich nur 4 Meilen vom zuvor gekoppelten Standort. Die Yacht wurde aber auch nur per Zufall entdeckt. Der Flieger war schon vorbeigeflogen, da sah der rückwärtige Ausguck eine Spiegelung im Sonnenschein. Tja, der Eigner hatte mehr Glück! Dieser Erfolg ermutigte uns. Ich saß noch einen halben Tag im Zentrum des Rescue Centers in Punta Delgada. Leztendlich hatte ich eine Computerauswertung mit Angaben aus Toulon, Lissabon und der Navy über den genauen Standort des Cats +/- 5 Meilen. Mit dieser Auswertung wurde auch das andere Boot tags zuvor gefunden. Der vermeintliche Standort war auf dem gleichen Breitengrad wie mein zuvor gekoppelter Standort, nur ein bisschen dichter an den Inseln.

Mit den neuesten Satellitenbildern (scheinbar klarer Himmel) flogen wir abermals guter Hoffnung zum 260 sm entfernten Suchgebiet. Kurz nach dem Start konnten wir aus 5 km Höhe wunderbar selbst kleine Fischer auf dem Meer erkennen. Die Sicht größer 20 Meilen ! Allerbeste Vorraussetzungen. Mit an Bord waren zusätzlich noch zwei Whalewatcher und ein Profiskipper - Ausguckprofis sozusagen. Als wir kurz vor dem Ziel runtergingen, hatten wir leider Nebelbänke, so dass wir auf 60 Meter runtergehen mußten, statt der erhofften 2 Km Höhe bei guter Fernsicht. Keine Chance! Wir flogen letztendlich mit 1 Meile Abstand Quadrate ab. Aber wir hätten schon direkt über das Schiff fliegen müssen. Auf dem Bordradar (das war neben dem Mitplotten meine Aufgabe) entdeckte ich einmal in 8 Meilen Entfernung einen Fischer und ein Containerfrachter. Das war's. Zum allem Überfluß verschlechterte sich auch am Flughafen das Wetter dramatisch. Eine Azoreninsel nach der anderen machte den Flughafen dicht. Wir mußten zurückfliegen, um genügend Kraftstoffreserven zu haben. Nicht nur wegen der vergeblich eingesetzten 18.000,- € (Kosten der Flüge) war ich ziemlich frustiert.

Mehr Geld konnte und wollte ich nicht einsetzten. So treibt jetzt ein bestens ausgerüsteter BaltiCat 42 vermutlich irgendwo auf dem Atlantik herum. Konnte das nicht verhindert werden? Als der Versicherer exakt 9 Tage nach der Crew-Abbergung das erste Mal einen Vertreter beim Eigner vorbeischickte, um den genauen Schadenshergang zu protokollieren, stand ich bereits wieder im Blaumann in der Werfthalle. 7 Wochen später bekam ich ein Anruf vom einem bekannten Segler aus der Straße von Gibraltar. Ein ca. 13 meter Katamaran war treibend gesichtet worden. Die Beschreibung passt und die Positionsangaben waren exakt. Kurz überlegte ich, mich wiederum auf Suche zu begeben. Aber die marokkanischen und spanischen Fischer hören ja auch den Funk ab ....

Bedanken möchte ich mich hier aber noch bei der tollen Unterstützung der portugiesischen Airline, dem Kommandanten des U.S.-Stützpunktes, des MRCC Ponta Delgada, der portugiesischen Marine, dem Gouverneur von Teceira und bei all den Seglern und Azorianern, die mir spontan zu jeder Zeit gern geholfen haben.

Stephan Hüttermann, Balticat

Letzte News vom 2.3.03: Wie gerade vom BKA Wiesbaden erfahren, ist der aufgegebene Katamaran an der portugiesischen Küste zerschellt... Eine Abbergung des völlig zerstörten Schiffes war nicht mehr möglich !