Proa P8

Die Knickspant-Proa

Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis

Irgendwann war es soweit, das Boot war "fertig". Was bedeutet, daß uns in der Theorie nichts mehr eingefallen ist, was noch zu beachten wäre. Jetzt mußte die Praxis zeigen, wo es noch fehlt - und das hat sie auch getan.

Doch vor dem ersten Segelerlebnis noch einige Hinweise zum Bau:

Endlich auf dem Weg zum Wasser. Der Dachtransport des Bootes erwies sich als absolut problemlos. Die Beamlager waren optimal für die Aufnahme der Querstangen des (verbreiterten) Dachträgers geeignet. Das Boot war in 10 Minuten auf dem Auto verstaut.

Genauso rasant ist es segelfertig aufgebaut. Das erste Mal haben wir eine knappe halbe Stunde gestoppt, bis das Boot bereit zum Ablegen im Wasser lag.


Die erste Fahrt

Es war eigentlich ein schöner Tag, lediglich der Wind frischte mit Böen bis Stärke 5 zu stark auf. Aber heute musste es sein. Genauso schnell wie wir das Boot aufgebaut hatten, waren wir auf dem Wasser. Um nicht zu sagen etwas überstürzt. Wir wollten endlich segeln!

Der erste Kontakt mit seinem Element. Hier sieht man schon die überzogene Leeneigung des Mastes und die Durchbiegung der Beams

Doch die Vorsehung hat sich etwas anderes für uns ausgedacht. Von einer ausgeprägten Luvgierigkeit gelenkt, schlugen wir erstmal einen Bogen in die Stege des Segelvereins. Bis wir alle Schoten und Leinen unter Kontrolle hatten, waren wir schon wieder an "Land". Doch unverzagt wurde der Bug wieder aufs offene Wasser ausgerichtet und mit dichtgeholtem Segel ging die Fahrt los. Eigentlich recht erfolgreich, denn wir bewegten uns flott, obwohl wir Zwei auf dem schmalen Boot mehr als 2/3 des Gesamtgewichts ausmachten.

Die Steuerung mit Gewichtsverlagerung wurde uns allerdings durch die extreme Luvgierigkeit und den böigen Wind nahezu unmöglich gemacht. Auch das Steuerpaddel war scheinbar wirkungslos. Das Ergebnis war, das wir irgendwann eine Böe von der falschen Seite bekamen und sich damit das Rigg Richtung Wasseroberfläche verabschiedete. Allerdings dank der "Gummi-Stage" ohne Bruch. Da der Wind inzwischen auf über 2 Stärken aufgefrischt hatte, war an ein Wiederherstellen der Segelfähigkeit mitten auf dem See nicht zu denken. Das heimwärts Paddeln brauche ich nicht weiter zu beschreiben. Wir haben aber die Zeit genutzt, uns Gedanken über das "Warum" und das "Wieso" zu machen.

Die Rahe ist zu stark nach "achtern" geneigt. Ansonsten steht das 50 Euro-Segel recht gut.

Die Umsetzung der Erfahrungen

Grundsätzlich positiv war, daß das Gesamtkonzept funktioniert. Das Boot liegt sehr gut im Wasser und verträgt sogar zwei Segler als Besatzung. Die asymmetrische Rumpfform ist völlig ausreichend gute Höhe zu laufen. Die Verbindung der Rohr-Beams mit den Rümpfen mittels der simplen Baumarkt-Gurtspanner hat sich (wider erwarten) als praktikabel und haltbar erwiesen. Auch das Polytarp-Segel war wirksam genug uns voranzutreiben. Im folgenden zwei Grafiken, die während der "Ursachenforschung" angefallen sind.

Die Grafik zeigt, wie sich gegnüber der geplanten Stellung (1) die Durchbiegungen der Beams (2) und des Sitzbrettes (3) auf das Rigg auswirkten. Ein noch eventueller Reck im Want wurde durch eine Dyneema-Leine ausgeschaltet

Verschiebung des Segelschwerpunktes durch Aufrichten des Segles, (1) Einkürzen des Segels an der Rückseite (2) sowie Fixierung am Baum durch Führungsring (3)

Problem nach der Mastverlängerung. Der Schot-Winkel wird kleiner, daß Segel wird stärker verzerrt.



Abhilfe durch "externe Liekleinen" von den Rahenenden zur Baumnock, die den Zug aus dem Segel nehmen sollen.
Zusätzliche Trimm-Möglichkeiten, die diese Leinen bieten .

Folgende Änderungen wurde nun vor einem zweiten Versuch vorgenommen:


Die zweite Fahrt

Es war wiederum ein herrlicher Sommertag am Brombach-Speichersee als wir die zweite Probefahrt in Angriff nahmen. Auch der Wind sorgte mit 2-3 Stärken für gute Testbedingungen. Gleich gesagt, es war ein erfolgreicher Tag. Wir kamen nach einer Stunde segeln tatsächlich wieder dort an, wo wir abgelegt hatten! Dazwischen lag eine ereignisreiche Fahrt, in der wir das Steuern mit Segel und Schwerpunktverlagerung probten. Es funktioniert tatsächlich. Zum jeweiligen Bug rutschen bedeuten Anluven, nach hinten rutschen abfallen. Allerdings muss das Ganze mit sehr viel Gefühl gemacht werden. Auch benötigt das Segel viel Aufmerksamkeit. Das Boot beschleunigt rasch, das Segel muss dicht geholt werden, gleichzeitig muss man nach hinten rutschen, weil es anluvt! Die P5 ist absolut nichts für Kaffeesegler, man ist ununterbrochen gefordert. Vor allem wenn man zu zweit segelt, ist eine permanente Abstimmung notwenig: "Rutsch vor, rutsch zurück", "Hol dicht, fier auf", etc. Besonders beim "Shunten" dem wechseln der Büge ist allerhand los.

Nach dem ersten Testschlag zu zweit wagte ich gleich eine Solofahrt. Alleine ist man wesentlich ruhiger unterwegs, da sich bald ein Gefühl für das Boot einstellt und man automatisch auf der Sitzbank dahinrutscht, wo es notwendig ist. Auch das Tempo nimmt spürbar zu. Ich konnte sogar schon einige Meter mit fliegendem Ama zurücklegen. Allerdings zeigt sich auf dem fränkischen See auch, daß die Heimat der Proa eigentlich eine andere andere ist. Was sie garnicht mag, ist permanent drehender böiger Wind. So schnell wie es anspringt, bleibt das Boot auch wieder stehen - und dreht sich inzwischen der Wind, ist man machtlos. Man kann bestenfalls versuchen schnell mit dem Paddel das Boot so zu drehen, dass der Ama wieder nach Luv zeigt. Übrigens fährt die P5 auch als ungewollte "atlantische" Proa überraschend schnell. Noch ein Wort zum Steuern. Die Richtungsänderung durch Gewichtsverlagerung funktioniert nur bei Windeinfall bis raumschots. Darüberhinaus oder gar vor dem Wind muss das Paddel zu Hilfe genommen werden - und wirkt dann auch. Allerdings sollte eine Proa nicht raum gesegelt werden, sonder vor dem Wind "kreuzen".


Hier zeigt sich deutlich, daß die untere Segelhälfte zuviel Bauch hat.

Resümee

Die P5 hat sich grundsätzlich bewährt. Es ist eine tolle Spassmaschine für Segler, die es etwas anders haben möchten. Eine echte Alternative zu den "langweiligen" Beachkats, zumal mit etwas ausgefeilterer Besegelung sicher derselbe Speed möglich ist. Eine letzte Korrektur wird daher auch das Segel selbst betreffen, das ich ein wenig schmaler machen werde, um den letzten Rest Luvgierigkeit aus dem Boot zu bekommen.
Der Bau der P5
Zusätzliche Gedanken zum eingesetzten GD-Rigg (Gibbons/Dierking)