Vom Meltemi beschleunigt

von Gertraud Filgis.

Der Kat Antigua "Fun-Too", mein Mann Gerhard und ich haben 10 Wochen im Schwarzen Meer verbracht. Anfang September ankern wir in Poyraz, am Eingang zum windigen Bosporus. Diese 14 sm lange Meerenge teilt Europa und Kleinasien. Es ist sehr heiß. Eine 2 kn Strömung zieht uns mit Motorunterstützung in das Nadelöhr hinein, mit kleinen Strudeln oder kurzer, heftiger Querströmung, durch eine stinkende Brühe gen Istanbul. Hier fällt man lieber nicht ins Wasser! Die Europabrücke verbindet in drei Autominuten zwei Welten, den Orient mit dem Okzident. An den Ufern prangen alte Holzvillen u. magische Prachtbauten aus tausend und einer Nacht, viele noch aus osmanischer Zeit, sowie die Festung "Rumeli-Husari" mit wuchtigen Zinnen auf den Mauern.. Dann erscheint am Horizont die vielgezackte, traumhafte Skyline Istanbuls mit Moscheen-Minaretts-Burgen-Hochhäusern-Rundkuppeln und der alles beherrschenden(Syley) "Blauen Moschee" mit ihren sechs Minaretts. Am "Goldenen Horn", einem Nebenarm mit der Galatabrücke, brodelt der Verkehr, über und auf dem Wasser. Ein reges Durcheinander von Fähren, Freizeit und Ausflugsbooten sowie Großschiffahrt aus vielen Ländern und allen Richtungen umgibt uns.

Istanbul: 660 v.Chr. als antike Handelsstadt Byzanz gegründet, wurde 330 n.Chr. als Konstantinopel Hauptstadt des Oströmischen-Reiches, 1204 durch die Kreuzfahrer geplündert und ist ab 1453 türkisch. Seit 1930 heißt die Megastadt Istanbul u. hat heute mit Umland über 20 Mill. Einwohner. Dementsprechend übervölkert geht es auch zu und hinterlässt Spuren mit stinkenden Abgasen der Blechlawinen, Verkehrschaos, Gehupe, Gedränge mit Stress. Auffällig sind die Unterschiede zwischen Armut und Reichtum, Prunkvillen und Slumviertel am Rande der Gesellschaft. 5 Tage lang "parken" wir FunToo im Fischerhafen und fahren täglich per Bahn, die im zehn Minutentakt geht, ins Zentrum. Wir erkunden diese ungewöhnliche Stadt, ihre Vergangenheit und Gegenwart.
Topkapi-Palast: Über 400 Jahre lang war er Zentrum der Macht, Hauptsitz der Sultane und des Harems, den Atatürk 1934 abschaffte. Wir bestaunen prunkvolle Räume, Innenhöfe, Teppiche, taubeneigroße Edelsteine, Brokat, Elfenbein und die Porzellan-Ausstellung mit berühmten Stücken aus China und Ägypten. Die rote Hagia Sophia war einst christliche Kirche, dann Moschee und ist nun ein Museum. Ein Friedhof: aus Marmor sind die Gräber mit div. Grabsteinen. Eine Blüte oder Muschel drauf, bedeutet Frau, ein Turban geformt, bedeutet Mann. Sitzt der Turban schief, wurde der Verstorbene geköpft.

Der Bauchtanz: Wir erleben ihn als die Verführung der weiblichen Reize. Da schwingen und kreisen die Hüften, es zucken die Schultern. Dazu biegen sich schlangenförmig die erhobenen Arme. Schwarze Augen locken. Nach dem Finale spendet der Zuschauer Geldscheine. Bazar: Wir gehen staunend durch das Labyrinthgewölbe des großen Bazars. Ein Durcheinander mit System. Dieser Markt ist das Herz Istanbuls. 18 Tore führen durch meterdicke Mauern. In 86 Gassen soll es ca. 3.000 Läden geben, wo Feilschen Pflicht und Kinderarbeit nicht ungewöhnlich ist. Da gibt es echte Goldketten am laufenden Meter und manch Verkäufer hat die Maschen des Teppichverkaufs besser drauf wie die Suren des Korans. Nur das Gedränge verhindert, dass man dem Kaufrausch nicht verfällt. Istanbul ade. Das Feuer Sarayburnu zeigt uns den Weg ins Marmarameer, wo ca. 60 Frachter auf Reede liegen.

Der Stadtmoloch will versorgt sein. Es weht ein kräftiger Nordwind. Das Wort "Meltemi" fällt zum ersten mal. Dieser Starkwind aus nördlichen Richtungen wird ab jetzt unsere Antriebsfeder sein. Das Marmarameer ist 21 mal so groß wie der Bodensee, 300 km lang, und der Strom setzt mit 1,5 kn. Es war schon immer ein Durchgangsmeer: Von den Argonauten auf der Suche nach dem goldenen Vlies, den russischen Kriegsflotten, den alliierten Landungstruppen im 1. Weltkrieg. Heute ist es ein Wirtschaftswasserweg zur Versorgung von Millionen. Segel hoch, es liegen die Prinzeninseln an. Viel schöne Natur, viel Polizei, der PKK-Führer Öcelan sitzt ein. Einst wurden hierher die Prinzen aus dem Harem verbannt. Nach einer recht unruhigen Nacht mit Schwell und kontrollierenden Scheinwerferlichtern segeln wir hoch zur Ataköy-Marina , um Diesel zu bunkern und zu essen. Als man merkt, dass wir nach 1 Stunde wieder auslaufen wollen, sollen wir DM 20,-- für den Ponton bezahlen. Wir sind empört und bezahlen nicht. Tagelang beschert uns nun der Meltemi zwischen 9-19 Uhr verlässliche wilde Ritte unter Spi. Das Log zeigt 12/13 kn an mit immer noch 23 kn im Rücken. Nach 28 sm fällt in Silivri der Anker für die Nacht.- Nächster Tag. Nach Tekirdag sind es 35 sm, daran rauschen wir vorbei. Nach weiteren 20 sm, bei Mürefte, entsteht ein neuer Hafen, bzw. ein Kran baut die Kaimauer. Das Ankermanöver bei 34 kn ungeschütztem Wind verläuft glimpflich, meine linke Hand ist tagelang lila und stark geschwollen, aber der kleine Finger bleibt der Hand erhalten. Frustration macht sich breit, mir ist jeder Trost recht. Der Schlaf ist dementsprechend unruhig. 28 sm bis Gelibolu. Am ungeschützten Fährenkaj verbringen wir, vom Meltemi gebeutelt, eine lange, ungeschützte Nacht. Schließlich siegt der Schlaf, wie immer. Winddrehung auf Südwest. Mist!! Unter Maschine fahren wir 12 sm gegen an, quer ans andere Ufer. Dann geht gar nichts mehr. Sogar die Großschiffahrt kriecht nur noch dahin. Eine kleine Landzunge, 3 sm vor Kanakkale, am asiatischen Ufer, bietet 3 Tage lang FunToo und 3 Fischern notdürftig Schutz.

Tagsüber ist der Himmel verhangen und dunkel wie bei Einbruch der Dämmerung, wirklich aufbauend! Meine halbherzige Hoffnung, dass sich das Wetter ändern möge, wird Tage lang zunichte gemacht. Früher mussten die Handels-Segler oft wochenlang warten, bis der Wind für sie günstig umschlug. Über das "Eingewehtsein" freut sich nur meine lädierte Hand. Endlich motoren wir die restlichen 3 sm nach Kanakkale, wo wir weitere 2 Tage lang abwarten. Wir sind an den Dardanellen, der Meerenge zwischen Marmarameer und der Ägäis angelangt, am Hellespont. Diese Stelle ist hier nur 1,2 km breit. An dieser Engstelle ließ 480 v.Chr. Xerxes für seine Armee eine Schiffsbrücke bauen und 330v.Chr. setzte Alexander der Große zum ersten mal seinen Fuß auf asiatischen Boden.. Die Gegend ist also geschichtsträchtig. Links die Festung Cimelik und rechts die Burg Esceabar zeugen davon. In dieser Wasserstraße liegen viele Wracks von frz. und brit. Kriegsschiffen , die durch deutsche Minenboote und türk. Geschütze am 18.3.1915 versenkt wurden. Mustafa Kemal Pasa, genannt Atatürk, war hier im 1. Weltkrieg Divisionskommandant und später der Begründer der neuen, nach Westen orientierten Türkei, denn das Osmanische Reich sollte ja aufgeteilt werden zwischen Armenien-Kurden einerseits und den Alliierten andererseits. Deutschland half der Türkei. Die Kriegsdenkmäler aus diesem Krieg sind weithin sichtbar und sollen an die 500.000 Opfer mahnen. Heute ist die Halbinsel Hellespont/Gelibolu ein Naturpark.

Lädierte Hand hin oder her, der Meltemi hat wieder die Regie übernommen. Unter voller Besegelung geht's vorbei an der grünen Ebene der Biga Halbinsel mit Troja. Homer hat in seiner Ilias König Primos, Hector, Paris, die schöne Helena und die Stadt Troja unsterblich gemacht. Von Kanakkale aus fuhren wir per Bus dorthin, sahen Schliemanns Ausgrabungen. Recht unscheinbar erscheinen die weltberühmten Ruinenhügel. Wir erklimmen den symbolischen Nachbau des großen Holzpferdes, in dem Odysseus in die Stadt gelangten. Einst kontrollierten die Trojaner die Dardanellen mit Abgaben, was sich die Hellenen nicht gefallen ließen. War eine Erhöhung der Maut der eigentliche Grund für den Untergang Trojas? Ab dem Leuchtfeuer Kymkale begrüßt uns die Ägäis mit hohen weißen Schaumkronen und wir drehen Reffs in die Segel. Eigentlich wollten wir der Insel Bozcaada einen Besuch abstatten. Hier hatte sich einst Odysseus mit seiner Flotte wochenlang versteckt. Bei den Windverhältnissen in der Ägäis verständlich. Aus der Odyssee wissen wir, dass die Besatzungen dann oft Tag und Nacht in den Riemen ihrer kiellosen Segelbooten lagen, die Windrichtung ausnutzend.

In Byzanz. In der Zeit, als Konstantinopel auf Getreide aus Ägypten angewiesen war, standen hier riesige Kornspeicher. Aber FunToo läuft 10 kn, die wollen wir ausnutzen und so fahren wir an der Insel vorbei. Ab Kap Baba Burun gibt's, wie erwartet, starken Gegenwind und dicht unter Land ankern wir ruhig für die Nacht nach 51 sm bei Sivnice Bur. Am Himmel über uns zieht ein silbern schimmerndes Flugzeug seine weiße Spur. Der Kondensstreifen zerfließt rasch in die Breite. Am nächsten Tag zieht uns die Fock die 4 sm nach Behramkale. Vor der engen, 1.8 tiefen Einfahrt bricht sich an Steinen die Gischt. Der Hafen ist winzig. Mittendrin ankert FunToo Die Heckleine bindet ein hilfreicher Wirt am Laternenpfahl vor dem Restaurant fest. Über uns windet sich der steinige Weg hoch zum Bergort Assos.. Auf fast baumloser Hügelkuppe liegen die Ruinen aus dem 6. Jh.v.Chr. Hier war Aristoteles mehrere Jahre Lehrer. Vom alten Athenetempel ist die Aussicht grandios aufs Meer und die nahe griech. Insel Lesbos. Bald wird FunToo dort unten segeln. Und richtig, ein heftiger Meltemi bläht den Blister, das Meer ringsum zieren weiße Schaumkronen. Wir segeln durch bis zu den Inseln von Ayvalik (insgesamt 23), vorbei an langgestreckten Buchten. Die flache Einfahrt ist gut ausgetonnt. Nach dem Besuch der Marina und dem nahen Supermarkt, ziehen wir den Fischerhafen Alibey zum Verbleiben vor. Ende September beginnt schon die Zeit der Stille, Eisdielen und Restaurants machen dicht. Auf der Straße sehen wir LKWs mit schwülstigen Rüschen an den Fenster, die auch mit Divankordeln ausstaffiert sind. Wer war es, der gesagt hat, der Meltemi verliert ab September-Oktober an Kraft?? Falscher kann eine Behauptung gar nicht sein! Mit achterlichen 7 Bft. rauschen wir gen Foca. Das Segeln schlaucht und es ist kühl geworden. Stefan von der Galathea, den wir aus München kennen, bringt gerade seinen zweiten Buganker aus. Die ungebremsten Wellen lassen alle Boote am kl. Kaj wild am Ankergeschirr reißen. Bedingt durch den Tiefgang von 90 cm, kann sich FunToo hinter eine Steinklippe legen, d.h., wir kommen mit nur einem Anker aus in dieser Nacht, wo der Meltemi im Rigg nur so pfeift und die Wellen klatschend am Kat brechen. Man frägt sich, ob Rasmus nie müde wird. Links zweigt der Golf von Izmir ab, dem Smyrna der Bibel. Ringsum bebaute Küstenstriche, versaute Landschaft. Es geht weiter, rüber zur Halbinsel Karuburun . Der Nordwest zwitschert uns weiter um die Ohren. Wir durchsegeln eine breite Verklappungsspur, die Wasserqualität bleibt auf der Strecke. Es ist die Entsorgung von Massenquartieren des zersiedelten Küstenstreifens. Unser Ziel ist die kleine Insel Kara Ada, wo wir vor dem Meltemi sicher sind. Glauben wir. Ringsum Idylle und am Ufer ein paar einsame Esel. In diese Ruhe ertönt leises Motorgeräusch. Drei kreisende Möwen in Warteschleifen am Himmel. Ein kleines Fischerboot tuckert um die Ecke, kleine Wellen im Schlepptau. Der Fischer wirft seinen Anker ein paar Meter achteraus, macht am Ufer an einem kleinen Betonpier fest, raucht seine Zigarette fertig, geht schlafen. Auch die Möwen sind wieder weg. Ruhe. Hier draußen ist der Himmel viel dunkler, die Sterne intensiver, wie drüben an der Küste. Dann ist die Silhouette der Insel verschmolzen im Dunkel der Nacht. Und dann sucht uns der Meltemi heim in Form von Fallwinden und FunToo tanzt wie ein Uhrpendel am Ankergeschirr, so dass wir Ankerwache gehen müssen und sogar nachts 3 x bis auf 1,5 m Tiefe immer wieder vorfahren, um neu zu ankern, da der 15 kg Bruce auf dem steil abfallenden Grund slipt. Nur der kleine Fischer liegt ruhig im kleinen Windschatten und schläft den Schlaf des Gerechten. Am Morgen kommt eine Gulet (Ausflugboot) und bringt reitlustige Touristen mit. Unser Mitgefühl haben die vierbeinigen Esel, als die Zweibeinigen sie entern und hoffen, die Tiere werden ihr Gewicht schon schaukeln. Mit jeweils einem PS niedriger Statur ausgerüstet, geht's dann, beladen und mühsam den steinigen Hang hoch, wobei manche Schuhsohle fast den Boden berührt. Dabei wird von den Cowboys auf Zeit vor Begeisterung geschrien, denn ein bisschen Spaß muß sein! Inzwischen hat sich der Meltemi ausgetobt und so motoren wir bald rüber nach Cesme, innerhalb des Feuers die Route nehmend und sehen Delphine. Beim Aufstoppen im Hafen zum Ankermanöver war plötzlich auf der Stb-Maschine kein Schub vorhanden. Beim Tauchgang stellt sich heraus, dass die Endkappe samt Propeller fehlt. Nach vergeblicher Suche am "Esel"-Ankerplatz der letzten Nacht wird dann mit materieller Hilfe der Charterbasis Cesme der Reservepropeller bei mehreren Tauchgängen von Gerhard montiert. Wirklich keine einfache Sache bei dem Seegang. Chaos kann ganz kreativ sein! Der Charterbasenleiter kann uns dadurch helfen, weil auch seine Yachten des öfteren wegen der technisch unausgereiften Befestigung ohne Propeller zurückkommen. Angeblich hat Volvo-Penta (Hersteller) noch nie von so einem Fall gehört! Cesme bedeutet "Brunnen", rund um den Ort gibt es Schwefelquellen. Die dominierende Festung wurde im 14.Jh. von den Genuesen erbaut. Im Hafenbecken steht zum Ankern nur ein ungeschützter Streifen zur Verfügung, wo der Meltemi unbarmherzig reinsteht. Alles andere ist abgesperrt, es entsteht eine neue Marina.

Essen + Trinken: Inzwischen haben wir gelernt, in Lokalen v o r der Bestellung in die Kochtöpfe zu gucken und den Preis auszuhandeln, damit mit der Rechnung nicht wieder der Schock kommt. Seitdem ist unsere Bordkasse vor überhöhten Touristenpreisen gefeit. Aus immer frischen Zutaten entstehen wohlschmeckende Speisen. Wir genießen Grillspezialitäten und Eintöpfe, die Vielfalt von Meze, den Vorspeisen , und honigsüße Nachspeisen. Im Land der Teetrinker lässt man sich aber auch Efesbier schmecken und Raki, einen Anisschnaps. Mit Wasser verdünnt,, bekommt er ein milchigweißes Aussehen. Dazu krabbeln ein paar Fliegen über die Theke und naschen am Verschütteten. Ein heftiger Nord von 27 kn bringt uns in die Ecke von Sigancik-Selcuk. Unterwegs sehen wir eine riesige Karretta-Schildkröte. Erst nach der Umrundung der Insel Esek wird Sigancik-Hafen nach 37 sm sichtbar. Per Bus besuchen wir Efesus und lassen uns dabei viel Zeit. Gottseidank sind wir jetzt im Spätherbst nur wenige Besucher. Es ist ein Erlebnis und wir kommen aus dem Staunen nicht raus. Efesus war in der Antike die wichtigste, hochentwickeltste Stadt Kleinasiens mit 300.000 Einwohnern. Von den Griechen erbaut, abgebrannt, wieder aufgebaut. Von den Römern geplündert, zerstört, wieder aufgebaut. Erdbeben und eingeschleppte Seuchen aus Nordafrika brachten die Totalvernichtung. Vom wichtigen Hafen ist nichts mehr zu sehen, er liegt 20 km vom Meer entfernt, das ganze einstige Flusstal ist versandet. Auf einer Anhöhe liegt das Halbrund des gr. Theaters. Wir besichtigen Wohnbezirke, Tempelkomplexe, Marmorprachtstraßen mit arkadengeschmückten Plätzen, den Bazarbereich, die Bibliothek, Hadriantempel, Trojansbrunnen. Die Fassade des 3-stöckigen Artemistempels, eines der 7 Weltwunder, ist Kunst in Vollendung. Das römische Bad wurde mittels unterirdischer Kanäle mit Heißwasser versorgt. Im Toilettenhaus finden wir die in Marmorplatten gehauenen Sitzlöcher in Reih und Glied und stellen uns vor, wie das vor 2.000 Jahren war, als 15 Mann auf einmal "Sitzung" hielten. Hier in Efesus wirkten die Apostel Paulus und Johannes.

Weitersegeln. Bestürzt macht uns hingegen immer wieder die neuzeitliche irrsinnige Siedlungspolitik. Zu hauf werden der türkischen Küste entlang Siedlungshäuser en mass in die Öde der Berghänge gebaut, teils im Rohbau stehen gelassen oft ohne Wasser, Elektrizität oder gar ohne Türen und Fenster. Furchtbar.
Mit dem Meltemi im Rücken geht's flott nach Kusadasi. Der Ort wurde von ital. Kaufleuten gegründet. Die osmanische Karawanserei und Festung war einst Stützpunkt von Barbarossa und seinen Husaren. Zur Güvercin-Taubeninsel führt ein Damm, an dem FunToo zwischen Gulets einen Platz findet. Der Yachthafen bietet 600 Plätze. Für den Kat müssten wir 150% Sommertagespreis zahlen, z.Zt. DM 85,--. Kusadasi ist Drehscheibe für Kreuzfahrer und Fähren, deren Passagiere zu den div. Ausflugsorten gefahren werden. Statt Fallwind hält uns jetzt Discosound bis 4 Uhr früh wach. Im gr. Bazar ist das Angebot vielfältig und die Aufreißer sind aufdringlich. An zahlungskräftigen, willigen Konsum-Touristen aus dem Westen, Übersee und Neureiche aus Russland fehlt es nicht. Nach 4 Tagen segeln wir mit einer Geschwindigkeit von nur 2 kn weiter, auch das gibt es! Am Nationalpark Güzelkamli finden wir im kl. Hafen einen Platz. Es ist schön ruhig hier, keine Kreuzfahrerschiffe mit Lautsprechern wie in Kusadasi drüben stören. Wir bleiben 2 Nächte.

Die türk. Küste und die Insel Samos, zu den griechischen Dodekanos gehörend, trennt nur ein Katzensprung von 1,2 km Breite. Alle Segel sind gesetzt und ruhig segelt FunToo bei leichter Brise im Sonnenschein, mitten im Sund. Plötzlich, wie mit dem Zauberstab berührt, wird FunToo beschleunigt. Von gemütlichen 6 kn pfeift der Meltemi unmotiviert plötzlich mit 36 kn, nach dem Motto: darf's ein bisschen mehr sein? Meer und Nerven eskalieren. Ein paar Schrecksekunden lang ist die Reaktion wie gelähmt. In der berüchtigten Samosstraße hat es FunToo voll erwischt. Der Puls hämmert. Das ist nichts für Herzkranke. Der Kapitän kommt sich vor, wie einer der auszog das Fürchten zu lernen. Dies war ein Lehrbeispiel für Trichterwirkung. Wie klein man doch ist, wie machtlos gegenüber rigoroser Natur.

30 Min. später. In Pythagorion, dem schönsten Hafen der Ostägäis, vor dem Pythagoras-Denkmal, fällt dann der Anker.Der Sohn des Ortes avancierte einst vom Schafhirten zum Philosophen, Epiker und Mathematiker. Sein Lehrsatz lautet: "Im rechtwinkligen Dreieck ist die Summe der Quadrate über den Katheten gleich dem Hypothenusenquadrat." Alles logo, oder was? An diesem Ankerplatz erleben wir ein paar Tage später Fallböen von solchem Ausmaß, dass wir fürchten, FunToo hebt vom Wasser ab. Allmählich treibt es der Meltemi zu bunt. Deshalb verholen wir uns 400 m weiter zum neuen, halb fertigen Marinahafen, wo man kostenlos geschützt liegen kann, denn es gibt weder Wasser noch Strom. Dafür am Landkaj alle 15 m ein tiefes Loch." Wenn die Türken kommen, sprengen wir die ganze Anlage in die Luft". Solcher Art sind hier die europaverbindenden Gedanken. Die Angst vor türk. Invasionsgeist (Zypern) sitzt tief. Wie wird das erst mal werden, wenn es sich lohnt, die unter der Ägäis liegenden Ölvorkommen zu bergen? Der Befreiungskrieg von 1912 sitzt vielen noch in den Knochen.

Griechenland:Die Einklarierung verläuft problemlos. Nächstes Jahr werden wir in Griechenland mit rigorosen Abgaben per Meter belegt werden, trotz EU Verbotes. Doch die Griechen würden keine sein,, würden sie dies nicht einfach ignorieren, denn für Sonderabgaben sind sie ja immer gut. Die Versorgung auf allen Inseln wird in Supermärkten gewährleistet. Nur die europäischen Preise und Öffnungszeiten sind nach wochenlangem Leben in der Türkei gewöhnungsbedürftig, denn zwischen 14 + 17 Uhr ist hier jedermann die Mittagsruhe heilig!!!

Pythagoreon ist ein sehr netter Ort und im Halbrund des Hafens ist die Auswahl der gemütlichen Lokale groß. Bei Ouzo, Musaka und Sirtaki lässt es sich leben. Natürlich kosten wir den berühmten Samoslikör-Wein. Auch hier dürfen wir den Köchen in die Töpfe gucken. Der Renner des Tages sind: Kuttelsuppe, Auberginensalat, gefüllte Weinblätter, Kroketten gefüllt mit Spinat, Pilzen oder Zucchini, so wie gefüllte Schafshoden. Über all dem liegt ein Hauch von Knoblauch und nachgespült wird mit Retsina vom Fass. Es muß ja nicht immer "Griechischer Salat" sein! Im Lokal nebenan ein tanzender Kreis, bestehend aus Urlaubern und Einheimischen. Achselumschlungen feiern sie Verbrüderung. Die meisten Inselbewohner sind auf den Tourismus angewiesen und die Tavernen müssen zusehen, dass sie in der Sommersaison zwischen April-Oktober auf ihre Kosten kommen. Der nahe Flugplatz ist noch rege frequentiert

Patmos: Die nächste Destination ist die Insel Patmos, das "Jerusalem der Ägäis". Je weiter weg wir vom Windmühlenhang Samos gelangen, desto moderater weht der Meltemi. Dazu strahlt die Sonne vom Himmel. Den Hafen von Skala erreichen wir durch einen langen, engen Meeresarm. Die mittelalterliche Klosterburg überragt alles. Im Schweiße unseres Angesichtes marschieren wir bei Sonnenglut den Berg hoch nach Hora. An der Klosterpforte teilt uns ein Aushang mit, dass man nur "bedeckt" Eintritt erhält. Mit T-Shirt, Shorts und leichtem Sonnenbrand machen wir uns auf den Heimweg. Wir hätten es eigentlich besser wissen müssen. Der Apostel Johannes wurde von den Römern von 95-97 hierher verbannt, wo er in einer Klause die Offenbarung niederschrieb.

Die Sonne hängt schon am räucherlachsfarbenen Horizont, da kommt, gerade recht zum Sundowner eine Charteryacht rein und als unser Nachbar an den Steg. Die Flagge ist british, aber die 6-köpfige Crew "schwätzt" schwäbisch. Mit "ha sag amol du Saukerle" und "sodele" machen sie fest. Bei ihren Seglerberichten kommen offensichtlich ein paar Windstärken dazu und ihre Witze werden immer seichter. Aus dem Abendtrunk wird mit fortgeschrittenen Stunden ein Saufgelage, aus Sologesängen ein allgemeines Gegröle, denn die "schwarzbraune Haselnuss" und der "We-esterwald" verlangen den Chor. Bis früh in die Puppen geht das so. Schlaflos in den Kojen wälzend fragen wir uns, warum diese Sportsfreunde nicht zu Hause bleiben, um sich zu besaufen. Und dann halten sich einige für tierlieb, nur weil sie morgens einen Kater haben.

Anderntags ist es trübe, dazu herrenloser, launischer Wind. Nur 2 Std. lang dauert die Motorfahrt rüber zur Insel Lipso. Unser Reiseziel hüllt sich in Dunst. Zwischen 2 kleinen Inseln will der Anker im Gras einfach nicht halten, was äußerst selten vorkommt. Aber in einer Bucht hat ein Restaurant 9 Bojen ausgelegt und somit ist unser Problem gelöst. Sorgloses Baden ist angesagt im glasklaren Wasser der Ägäis, im Schlupfwinkel früherer Seeräuber. Es ist schwül. Später tanzen grelle Blitze hoch über sturmgeschüttelte Büsche. Ein Gewitter tobt sich aus, reinigt die Atmosphäre. Abends motoren 4 Charterboote in die Bucht, machen am kl Steg nebeneinander fest. Fazit: wenig Segel, viel Fun. Aber nur kein Neid. Nur auf einer der Yachten ist Spannung zu spüren, denn so viel Nähe auf so engem Raum zusammengewürfelt vom Urlaub, verträgt nicht jeder und es gibt kein Ausweichen. Aber Hackordnung muß sein und man bleibt sich nichts schuldig.

Leros: Nächste Insel Leros. Wir besuchen beide Häfen im Osten. Zuerst Agio Marina, die nur aus einem kleinen Verladekaj besteht, aber sicheres Ankern ermöglicht. Am Kaj sitzen optimistische Fischer mit langen Angelruten, voll in Aktion, aber ohne Resultat. In den Gassen allenthalben markante Köpfe an Alexis Sorbas erinnernd, mit Stoppelbart und Lachfalten und schwieligen Arbeitshänden. Dazu nirgends auch nur die Reklame einer Fastfood-Kette. Die Leute haben Zeit zum Essen. Dunkel gekleidete Frauen gehen ihrer Arbeit nach, alte Männer sitzen vor der Haustür, in Muße den flanierenden Verkehr beobachtend. Am Rande ein paar leergepflückte Maulbeerbäume. Schade.

Unter Motor fahren wir anderntags 3,5 sm gegen an und gelangen auf die andere Seite des Berges. Am Ankerplatz sind wir ab Dunkelheit wieder sehr starken Fallwinden ausgesetzt. Wieder Ankerwache? Nee!! Um Mitternacht tasten wir uns vorsichtig hinter die Hafenmole. Das Anlegen bei enormem Seitenwind ist nicht einfach. Doch lautlos und auf anhieb machen wir fest. Seit Jahren ein eingespieltes Team, kennt jeder seinen Handgriff auch bei Nacht. Am nächsten Morgen staunen die "Amerikaner" nicht schlecht, als sie FunToo als Nachbarn an ihrer Stb-Seite vorfinden. Sie haben unser Kommen nicht bemerkt und hießen uns herzlich willkommen. Ein paar Stunden später rammt uns mittschiffs ein sorgloses deutsches Charterboot, ohne Fender, Erfahrung oder sonst etwas, nur bestückt mit einer weiblichen Gallionsfigur, die nicht recht weiß, was sie mit dem Festmacher in den Händen tun soll. Wieder en unverschuldeter Kratzer mehr an FunToo.

Sie legen den Rückwärtsgang ein und verschwinden ohne ein Wort wieder aus dem Hafen. Man kommt nicht umhin, sich auch noch um die Probleme der anderen zu kümmern. Als Trost gehen wir zu "Sorbas" und spülen den Ärger runter. Uns wundert, dass in den griech. Tavernen fast nur männliche einheimische Gäste anzutreffen sind. Und das allgegenwärtige Vespa/Motorradgeknatter auf allen Inseln ist lästig. Hier trifft man überall auf ital. Baustil. Im 1. Weltkrieg gehörten die Dodekanes zu Italien, im 2. Weltkrieg waren die Engländer und Deutschen als Besatzung hier. Seit 1948 sind sie griechisch. Vielleicht gibt sich die Bevölkerung deshalb so unnahbar. Andererseits sind sie auf die Touristen angewiesen. Ca. 500 Stufen geht's hoch zur Burg der Johanniter, überall stehen die Rundkuppeln der orthodoxen Kirchen, selten ein Minarett.

Es ist herrlich, wenn man sich um den Wind nicht kümmern muß, denn der Meltemi ist auch im Herbst einfach immer präsent, ja fast zu oft. Dann fegt der Wind übers Wasser und fordert Material und Crew, denn die Wellen sind sehr hoch. Nach Kalymnos gelangen wir durch eine enge, inselgepflasterte Durchfahrt, Diavlos Leron, so dass die beiden Inseln aus manchem Blickwinkel wie eine einzige wirken. Die Strömung ist sehr stark, und der Meltemi beschleunigt wieder einmal FunToo. Das Segeln zwischen Inseln kann ganz schön spannend sein. Der große Hafen bietet viel Ankerplatz und an Land dominieren Geschäfte, die Schwämme feilbieten. Schwammtaucherei ist die Haupterwerbsquelle dieser Insel. Die Stadt schmiegt sich im Halbrund den Berg hinan. Stufensteigen ist wieder einmal angesagt. Von jeder Mauer schauen uns pfotenleckende Katzen zu. Nachts sind am Berg die Rundkuppeln der Kirche und daneben ein riesiges Kreuz beleuchtet. In der Sonne sitzen alte Männer auf Hockern, ihre Finger drehen unaufhörlich an den Perlen ihrer kurzen Gebetskränze. Riesige Fähren be- und entladen PKWs, LKWs und Container.

Kos: Nächstes Ziel ist die Insel Kos. In Blickweite des Hafens wird eine neue Marina gebaut. Bei der Einfahrt zum Hafen gibt es Stress mit ein- und auslaufenden Fähren. Links, am Kaj, ist noch Platz neben einem kanadischen Boot mit der Ahornflagge. Wir führen ja die blaugelbe Schwedenflagge, samt dem bayrischen Wimpel, was eigentlich immer zu Stirnrunzeln führt. Auch hier gibt es die üblichen Fragen nach warum, woher, wohin. Der Kanadier erzählt Geschichten, wie sie bunter nicht hätten sein können. Seitenwind, viel Schwell, viel rücksichtsloser Speed, also gehen wir bummeln. Die Parkanlagen sind gepflegt, Minaretts stehen neben Ruinen aus der Römerzeit und am Hafen steht die obligatorische Burg des Johanniterordens. Es werden gedruckt die Gesetze des Hippokrates angeboten. Der Vater der Medizin ist hier geboren, soll unter dem Uraltbaum, der abgestützt steht, gewirkt haben. Es herrscht ruhige Urlaubsstimmung vor. Wer von den Touristen weiß wohl, dass 1822 bei einem Blutbad zwischen Türken und Griechen 25.000 Menschen erschlagen wurden? Wehe, wenn sie losgelassen! Der Wind aus West oder Nord bleibt uns treu und Kos achteraus zurück. Die Distanzen zwischen den Inseln sind klein und der Meltemi garantiert gutes, teils auch gemütliches Segeln. Natürlich ist es eine ewige Kreuzerei für die Charterboote, die zu ihrer Basis im Norden zurück müssen. Vor uns segelt ein Kielboot vor dem Wind mit ausgebaumtem Vorsegel und rollt furchtbar, es watschelt wie eine Ente. Diese Crew tut uns leid. Da lobe ich mir den gemütlichen Aufrechtgang unseres Kats.

Nisyros: Der nächste Schlag bringt uns zur Vulkaninsel Nisyros, die sich 700 m hoch aus dem Meer erhebt. In Mandrake bleiben wir am Westkaj nur über Nacht. Die Inselkette segeln wir entlang "mit dem großen Löffel", wie es Gerhard ausdrückt, denn dank des Meltemis zieht uns überwiegend der Spi vorwärts, sogar bei Bft 6. Die nördlichen Inseln sind grün und bewaldet, die südlichen bestehen nur aus kahlen Felshängen, wo Wassermangel herrscht Gemeinsam ist der Anblick von weißen Würfelhäusern mit blauen Türen und Fensterläden. Es wachsen Oliven und Pinien, es gedeiht Thymian, Oregano, Basilika, Rosmarien. In den Orten führen steile, weiß getünchte Treppen hoch durch enge Gassen. Am Hauseck blühen Rosenranken und wilder Wein rankt sich als Sonnenschutz über Terrassen und Tavernen. Die Inseln sind überreich an kleinen Kirchen und Kapellen. Wie weiße Farbtupfer wirken sie vom Meer aus, auf einsamen Klippen stehend, Desto südlicher wir kommen, desto herber sind Landschaft und Menschen. Die meisten lassen sich nicht grüßen, schauen weg. Und in den Häfen gibt es keine hilfreichen Hände so wie in der Türkei.

Ungewohnt ist auch der Anblick von Popen. In schwarzen Kutten, steifem zylinderartigem Hut, mit Rauschebart bis auf die Brust, sieht man sie Motorroller fahren oder vor Kneipen ein Gläschen kippen. Herrlich! Außerdem dürfen sie heiraten, beziehen kein Gehalt, sondern werden von den Gemeinden recht und schlecht ausgehalten.:

Der Pope ein Motorrad fährt des nachts die Popin er begehrt. Auch den Esel reitet er winkt jovial, man ist ja wer. Bis zur Brust hängt wild sein Bart der schon gräulich angejahrt. Nicht abgeneigt zu einem Schwatz tauscht hie und da er einen Satz. Kommt irgendwann er dann nach Haus wartet die Popin mit 'nem Schmaus. Das Kirchlein ist sein Himmelreich ist Kunstwerk und sein Heim zugleich. Er leidet niemals große Not denn das Kirchlein gibt ihm Brot. Er hebt segnend seine Hände auf dass rege man ihm spende. Geht dann paar Schritte rauf zum Hang läutet die Glocke mittels Strang. Danach steigt er wieder runter Äuglein blitzen schwarz und munter. Mal Berg hoch, dann wieder eben, so ist es, des Popen Leben.

Fast alle Häfen, durch die wir kamen, waren eine Kombination von Fähr- und Fischerhafen, die auch uns Freizeitbooten Unterschlupf bieten und ab 5 Uhr früh geben die Diesel der Fischerboote den Ton an. Wenn sie zurückkommen, ist das traurige Angebot sündteuer, das Meer ist fast leergefischt. Die Liegeplatzpreise sind günstig, wir wurden als Katamaran diesbezüglich nie benachteiligt. Die nächste Etappe ist etwas länger, Symi ist unser Ziel. Es wird den ganzen Tag ein sportlicher Megahack an der Kreuz. Wir schinden keine Höhe, lassen den Wind die Arbeit tun und die Zeit. Immer, wenn ein "jetzt" ertönt vor dem nächsten Schlag, werfe ich, je nach dem, die Genuaschot los, oder ziehe, ziehe. Den Rest erledigt klickend die Winsch. Wohin man blickt, klebt und glitzert Salz. Symi: In der großen geschützten Bucht Panomitou ankern wir rechts im Türkis des Wassers auf Sandgrund. Die Boote, welche vis a vis auf Gras ankern, werden nachts in den enormen Fallböen und dem Schwell ewig umankern. Bei uns reicht ein gelegentlicher Kontrollblick. Groß dehnt sich das gleichnamige Johanniterkloster von 1373. Ausflugsboote voller Besucher fürs Kloster schweben ein im ½ Stundentakt, werden wie ein Lemmingzug an den byzant. Fresken vorbeigeführt, ehe sie wieder davonfahren. Ein Stress! Die nächste Nacht verbringen wir in der Bucht von Ormos Pedi. Am kleinen Steg. So sind uns die Fallböen egal. Im Haupthafen Ano-Symi bunkern wir links Diesel und Motoröl beim netten Personal. Im Gegensatz dazu repräsentieren die Hafenbehörden schlimme Bürokratie, gepaart mit Arroganz. Der Arm der Regierung reicht weit. Dabei sollen die Mitglieder der EU das grundlegende Recht besitzen, sich frei zu bewegen. Ehe wir uns mit dem Kleinen, Dicken (Hafenmeister) der sich aufführt wie ein General, anlegen, nehmen wir lieber Kurs auf Rhodos, um dort in Mandraki einzuklarieren.

Rhodos: Rhodos ist die Hauptinsel der Dodekanes, ist Dreh- und Angelpunkt und kann ganzjährig angeflogen werden. Dementsprechend quirlig geht es zu. Die Hafeneinfahrt flankiert ein Hirschpaar auf Säulen, wo einst der 35 m hohe Koloß von Rhodos stand, auch eines der 7 Weltwunder, das einem Erdbeben zum Opfer fiel. Er war dem Sonnengott Helios geweiht. Augenfällig auch die Windmühlenmole, ein beliebtes Fotomotiv. Der Hafen Mandraki ist total überfüllt. Deshalb motoren wir links nebenan zur Werft, wo wir im flachen Wasser 5 Nächte lang ankern. Rhodos ist eine mittelalterliche Stadt, umgeben von einem 4 km langen Befestigungsring. Die Stadt wäre noch schöner ohne die vielen Touristen, zu denen wir nur die "anderen" zählen, komischerweise nie uns selbst. Zwischen Ritterpalästen, Moscheen, antiken Mauern und byzant. Kirchen wird die Vergangenheit wieder lebendig. Byzanz, Venedig und Genua hinterließen Spuren. Dann haben die Johanniter und Türken die Stadt geprägt. Wir schlendern die berühmte Rittergasse hoch und die Ladenstraße wieder runter. Treffen Lars aus Göteborg mit seiner Gitarre und ein netter Abend auf seinem Segelboot ist garantiert. Nachts zählen wir 5 Kreuzfahrer aus aller Welt , deren Lichterketten als große Dreiecke funkeln, während der Drachmen-Dollar rollt.

Nach 5 Tagen Rummel segeln wir bei ganz schwachen Wind runter nach Lindos, dem großen Naturhafen mit der Burg, vorbei an hoteleigenen Stränden, die immer noch Grillplätze an der Sonne sind. Am Ankerplatz dann Wasserskifahrer und Bananenboote. Sie schaukeln FunToo auf und nerven. Der Meltemi bleibt uns treu als wir gen Norden segeln zum Golf von Fethye-Türkei. Es pfeift mit 25 kn im Rigg, als wir zeitig ankerauf gehen. Der Meltemi meint es an diesem Morgen besonders gut. Mehr als die halbe Distanz laufen wir im Durchschnitt mit 9.8 kn. Die letzten 3 Stunden müssen wir die Segel bergen: es Geht ganz einfach überhaupt kein Wind mehr. Nach 64 sm fällt in einer ruhigen Bucht des Golfs der Anker und wir schlafen endlich ohne Fallböen und Motorradgeknatter. Hier, an der türkischen Küste, hat der Meltemi anscheinend Hausverbot. Auch daran muß sich FunToo gewöhnen, denn ab jetzt wird sie überwiegend von den Motoren beschleunigt. Ende Oktober kommt FunToo in Marmaris an Land in den Bond(Zoll) und wir fliegen nach Hause. Meltemizeit ade.

Traudl Filgis

Siehe auch weitere Berichte von Traudl Filgis:
FUN TOOs Winter in Anatolien
Schau ma mal - zurück in der Türkei
Die Ballade von Zypern

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