Direktkauf von Yachten in Südafrika

oder
was man so alles erleben kann

Auf Grund der käuferfreundlichen Preisgestaltung durch den günstigen Wechselkurs des südafrikanischen Rand zu anderen Währungen wie den US Dollar oder unseren heiß geliebten Euro, läuft die Produktion im Südafrikanischen Yachtbau auf Hochtouren. Weltbekannte Chartergesellschaften beziehen in regelmäßigen Abstand von den Südafrikanischen Werften neue Segel- und Motoryachten für den Einsatz in alle beliebten Segelreviere dieser Welt. Über Vertriebsgesellschaften in Europa hat sich inzwischen ein weites Angebot an Wasserfahrzeugen aus dem fernen Süden für die Freizeitschifffahrt bei uns etablieren können. Auf den großen Messen sind immer öfter einige Exemplare dieser Traumyachten zu besichtigen, zu bewundern und natürlich auch zu bestellen.


Blick auf Durban

Mit dem Kauf einer solchen Yacht über eine "einheimische" Firma erwirbt der Kunde einen gewissen Schutz gegen Mängel die in der Produktion entstehen können. Hierfür haftet der europäische Händler für seinen Kunden. Genauso ist er der Ansprechpartner, wenn Garantie- und Gewährleistungen vom Käufer in Anspruch genommen werden müssen. Zusammen mit den Kosten für das Importieren der Yachten (Transport/Überführung, Zertifizierung, Zölle und Steuern) zahlt der Kunde für alle diese geregelten Leistungen – was bei uns völlig normal ist. Im Endpreis enthalten sind auch die unzähligen Vertriebskosten und hoffentlich für den Verkäufer auch eine akzeptable Gewinnspanne. Es ist nicht verwunderlich dass der Kaufpreis, der letztendlich vom Kunden – egal ob für ein Südafrikanisches Produkt oder für ein ähnliches aus Europa - verlangt wird, sich am Schluss nicht wesentlich unterscheidet. Dem vorstellbaren Wunsch des Eigners, eine in der Heimat bestellte Südafrikanische Yacht selber zu überführen, steht nichts im Wege. Er bekommt sogar einen Preisnachlass für die erbrachten Eigenleistungen und das Boot wird bereits nach CE zertifiziert, verzollt und versteuert ausgeliefert. Die andere Art zu einer neuen südafrikanischen Yacht zu kommen ist der Direktkauf, bei dem der Vertragspartner die Werft ist. Ein moderner 35' Fahrtenkatamaran in Grundausstattung für US$ 100.000 mit Zusatzausrüstung für weitere US$ 10.000 wurde vor kurzer Zeit an einen deutschen Eigner in Südafrika ausgeliefert:

Im Frühjahr 2002 wurde der Verfasser dieses Berichtes vom angehenden Eigner gebeten, einen Vertragsentwurf, eine Ausstattungsbeschreibung (Spezifikation) und eine Liste von optionalem Zubehör aus dem Englischen zu übersetzen. Auch leistete er eine Beratungstätigkeit bis zur Auslieferung der Yacht, da der Eigner weder Fahrtensegelerfahrung, noch technische Kenntnisse in Yachtbau, Maschinenbau oder Elektronik/EDV (Computer) hatte. Danach sollte es weitergehen mit der gemeinsamen Überführung des Katamarans mit dem Verfasser als Schiffsführer, seiner Frau als Wachführerin und Smutje, dem Eigner und dessen Bruder als Crew. Dass es dann so doch nicht zu Stande gekommen ist, ist nun eine andere Geschichte ...

Für Mai 2002 sicherte die Werft die Fertigstellung eines Exemplars der neuesten Version des Katamarans zu. Daraufhin flog der Eigner nach Südafrika mit einem Besichtigungstermin und dem Vorhaben, Kaufverhandlungen anzufangen. Bei der Ankunft in der Werft gab es aber keine fertige Yacht zu begutachten und unser Eigner wurde mit dem Besuch einer älteren Privatyacht im Hafen getröstet, auf dem ein Ehepaar sich als Live-Aboards recht häuslich eingerichtet hatte. Eine genaue Untersuchung des Bootes war aus Höflichkeitsgründen nicht durchführbar. Nach zwei Wochen als Tourist im Land kehrte der Eigner in die Werft zurück, nur um dort festzustellen, dass kaum Fortschritte an dem Bauprojekte zu sehen waren. Anschließend machte er sich auf die Heimreise. Während dieser Zeit wurde auch Kontakt mit dem Trans-Ocean Stützpunktleiter Hans aufgenommen.

Das günstige Angebot für diese Yacht mit dem ausführlichen Standardausrüstungspaket wirkte trotzdem sehr verlockend. Bald nach der Rückkehr aus Südafrika wurde der Kaufvertrag unterschrieben und darin der Liefertermin auf den 30. November festgelegt. Die Yacht sollte ab Anfang Januar seeklar sein, um sie unter den günstigen Wetterbedingungen, die zu dieser Zeit üblicherweise herrschen, die Strecke entlang der Wild Coast nach Kapstadt zu bringen.


Mitte November 2002 wurde von der Werft zugesichert, dass der Bau nach Plan verläuft und mit der Fertigstellung Ende des Monats zu rechnen sei. Daraufhin wurden die Flugbuchungen bestätigt. Die Freude stieg, die Hektik fing an. In Europa günstig gekaufte Ausrüstung (Rettungsinsel, Beiboot und Motor, Werkzeuge und Installationsmaterial usw.) wurde verpackt und auf dem Seeweg nach Südafrika geschickt. Das Mehrgewicht an Fluggepäck (ca. 30 kg) wurde zum Abschicken als unbegleitetes Fluggepäck vorbereitet. Abflugdatum: 14. Dezember. Dann kam der Hammer in Form einer E-Mail-Nachricht am 30. November: Der Termin der Fertigstellung musste verschoben werden - voraussichtlich bis Ende des Jahres. Begründung: Die halbe Belegschaft der Werft ist vom Konkurrenten abgeworben worden, die Termine können nicht eingehalten werden. Hans (T.O.) besuchte die Werft und berichtete, dass eine Fertigstellung bis Ende Dezember kaum vorstellbar sei, da gerade erst die Schottwände eingebaut wurden. Die obere Schale (Deck) liege noch auf dem Boden. Noch dazu steht Weihnachten vor der Tür, und in der südlichen Halbkugel heißt das Sommerferien, 3-5 Wochen.

Nun befand sich der Verkäufer in einer schwierigen Lage. Er berichtete, er könne zwar den Vertrag nicht erfüllen, aber er hätte bereits eine andere Lösung. Er könnte unserem Eigner alternativ eine beinahe komplett fertiggestellte Yacht anbieten. Dies sei möglich, da sich der Käufer in Zahlungsverzug befinde und mit einer späteren Auslieferung einverstanden wäre. Noch dazu war diese alternative Yacht ursprünglich für eine Messe in Europa geplant gewesen und daher mit mehr Sorgfalt (!) – better finish – und mit einigem an Zusatzausrüstung ausgestattet worden. Als Entgegenkommen für die Umstände und Enttäuschungen wird die Extraausrüstung nicht berechnet. Im Prinzip ein genialer Lösungsvorschlag. Das Datum für das Zuwasserlassen wurde auf 10. Dezember festgesetzt. Alles wieder im Zeitplan ...

Am Sonntag, den 15. Dezember hieß es für Eigner und Crew "Willkommen in Südafrika". Am Flughafen wurden sie von Hans (T.O.) und einer Mitarbeiterin der Verkaufsagentur der Werft empfangen. Das Extra-Gepäck war auch angekommen, konnte aber am Sonntag nicht abgefertigt werden. Aus unerklärlichen Gründen dauerte es für die Freigabe dann noch zwei weitere Wochen! Die Yacht befand sich aber noch in der Werft. Verzögerungen hat es gegeben, da die Motoren (die bereits vor Monaten vom Eigner bezahlt wurden) zu spät aus Kapstadt eingetroffen sind und erst vor kurzem eingebaut wurden. Der Montag war ein Feiertag in KwaZuluNatal und die Werft natürlich geschlossen. Am Dienstag wäre eine Besichtigung möglich, die dann auch stattfand. Der nächste Launching-Termin wurde von der Werftleitung für Donnerstag den 19. Dezember angesetzt. An diesem Tag sind Eigner und Crew samt Gepäck (nach dem Auschecken aus dem Hotel) in dem Büro am Hafen eingetroffen. Eine halbe Stunde später zog die Crew wieder in das Hotel ein. Endlich am 23. kam die Yacht ins Wasser und machte an einem Steg im Yachtclub fest. Eine Putzkolonne ging an die Arbeit und machte es möglich, dass Eigner und Crew gegen Abend an Bord gehen konnten. Aber der Katamaran war bei weitem noch nicht fertig. Die werftseitige Arbeit dauerte noch knapp fünf Wochen ehe die Yacht auslaufen konnte. Die Erlaubnis an Bord gehen zu dürfen wurde erst erteilt, nach dem die letzte Zahlung geleistet worden war. Eine nach unseren Vorstellungen ordentliche Schiffsabnahme wurde von der Werftleitung verweigert. Der Kaufvertrag war in diesem Punkt, wie in vielen anderen, ziemlich zweideutig ausgelegt. Einen Rechtsanwalt wollte der Eigner aus Furcht vor den Kosten nicht hinzuziehen.

Heiligabend wurde an Bord gekocht und gefeiert. In der heiligen Nacht machte sich ein Leck in der Kraftstoffleitung des Steuerbordmotors durch den ganzen Rumpf penetrant bemerkbar. Die Ursache war eine undichte Einspritzdüse - das ausgelaufene Dieselöl verteilte sich durch die ganze Bilge bis zu der Dusche/Nasszelle im vorderen Bereich des Rumpfes. Dies war leicht möglich, da bis zu den Bodenbrettern auch die Bilge voll Wasser war. Rund um den Saildrive-Flansch leckte es ununterbrochen. Nun war es an der Zeit die elektrischen Pumpen einzuschalten, die dann wohl liefen, aber kein Wasser hinausförderten. Mit der dritten Pumpe, einem Handgerät, konnte endlich die Bilge gelenzt werden. Diese Pumpe versagte aber am nächsten Tag genauso wie die anderen durch Verstopfung, weil der ganze Bilgebereich mit Holz- und Kunststoffresten aus der Produktion voll war. Ein Versuch an die Leitungen und an die Rumpfdurchlässe zu gelangen schlug fehl, da sie hinter (mit Sikaflex) fest eingeklebten Verkleidungen versteckt waren. Zu dem Wasser das von unten eindrang, kam nach kurzem Regenguss in dieser Nacht, auch noch welches von oben durch Mastfuß und Kabinendachluk dazu. Unter der vorderen Koje steuerbords war es auch nicht trocken. Dieser Bereich wurde von einem tropfenden Auslassstutzen mit Trinkwasser versorgt. Während der Untersuchung des Wassertanks fiel die vordere Kabinenbeleuchtung aus. Beim Versuch das Licht daneben in der Nasszelle einzuschalten, fiel diese Lampe im Ganzen von der Rumpfwand und hing nur noch an den Leitungsdrähten. Einschalten ließ sie sich nicht mehr.

Nach Weihnachten kamen die Experten von der Werft, inspizierten die Leckstellen und die Bilgepumpen und verschwanden wieder. Mitgenommen haben sie die erste Liste der inzwischen entdeckten zahlreichen Mängel.

Am nächsten Tag bekamen sie die nächste Liste: Backskistendeckel schließt nicht, Ankerkastendeckelscharniere schlecht montiert, Ankerwinde falsch montiert, Jumperstag-Verbindung verbogen, eine Matratze zu kurz, Decksluken schwergängig, Motorraumschalldämmung fehlt komplett, Tischhebemechanismen funktionierten nicht (Salon und Cockpit), UKW-Funkgerät wurde nicht korrekt befestigt usw. Hinzu kam eine endlose Liste an kosmetischen Aufgaben: Kratzer in dem schönen Kirschfurnier und im Teakstabboden, rauhe und stellenweise stark zerkratzte Kunststoffoberflächen, aufgelöste Klarlackstellen, beschädigte Aluminium-Teile, durchgescheuerte Großsegelpersenning ... und hinter der Verkleidung?


Am 28. entschied der Werftbesitzer das Boot außerhalb vom Yachthafen auf den Sand zu setzen, um das große Leck abzudichten. Knapp vor 11.00 bei Hochwasser wurde der Kat hart in den Sand gefahren. (Nicht vor HW und nicht nach HW wie es sich herausstellte.) Sobald die Rumpföffnung von außen zugänglich war, fingen zwei Arbeiter an mit schwarzem Sikaflex den Saildrive-Flansch abzudichten. Gegen 17:30 war NW und bis 19:30 wurde weiter gearbeitet und dann war Feierabend. Alle verschwanden im Beiboot. Das Skipperpaar kochte sich an seinem Hochzeitstag eine Dosensuppe, öffnete einen (warmen) Sixpack und wartete auf Hochwasser (um 23:30). Um viertel nach elf saß der Kat noch fest, zu der Wasserlinie fehlten noch 20 cm. Mittels vorher platzierten Anker und mit Motorenhilfe wurde eine Viertelstunde lang versucht aus dem Sand freizukommen. Dann war es klar, das Wasser fiel wieder. Ein Blick in die Gezeitentafel zeigte später einen tatsächlichen Unterschied von 16 cm zwischen den zwei Hochwasserangaben. Am nächsten Tag um 05:00 war es rundherum wieder trocken. Nun musste Hilfe geholt werden, da es nicht sicher war, ob beim nächsten Hochwasser die Yacht freikommen würde. Es war nun möglich, die Mole vor dem Yachthafen zu Fuß zu erreichen und nach einem ausgiebigen Frühstück, um Hunger und Frust zu beseitigen, ging die Suche nach einem Retter los. Es war Sonntag. Die Werftleitung hatte all ihre Mobiltelefone ausgeschaltet. Aber der Torwächter verbreitete unter allen Yachtclubmitgliedern, Gästen und Besucher die an ihm vorbeigingen die Nachricht über unsere missliche Lage. Und es funktionierte. Gegen Mittag (HW 12:10), begleitet vom Betreiber eines Bootsreparaturbetriebes samt Freundin, fuhren Skipper und Crew mit dem Rettungsboot des Yachtclubs raus zu dem Kat, der inzwischen fast bis zur Wasserlinie benetzt war. Da die 'Mechaniker' vergessen hatten das Getriebe wieder anzuschließen, kam es zu einigen stressvollen Augenblicken beim Anlegen, aber es waren dann genügend Willige zum Abhalten des Bootes vorhanden. Am Steg fest vertäut wurde der Wasserschlauch angeschlossen und Deck, Cockpit und Heckplattform vom Sand befreit. Auch der Teakboden unter Deck zeigte leider Spuren von Sand und Sikaflex. Am Abend wurde der Hochzeitstag bei feinem Essen und gutem südafrikanischen Wein nachgefeiert.

Nach einem fünftägigen Krankenhausaufenthalt wegen einer Fußverletzung kehrte der Eigner zurück an Bord seiner Yacht und kündigte an, er plane in einer Woche auszulaufen. Die Yacht dürfte inzwischen doch in Ordnung sein, oder? In der Nacht kündigten die nun funktionierenden automatischen Bilgepumpen erneut Bilgewasser an. Der Saildrive-Flansch leckte wieder, doch diesmal etwas langsamer. Am folgenden Mittag saß der Kat wieder auf dem Sand und bis zum Abend wurde am Saildrive erneut abgedichtet, und dazu verschwand noch einiges an Epoxidharz und Glasmatte im Motorraum (?). Unter der Kraft zweier Motoren konnte gegen Mitternacht ohne Stress und Hektik wieder am Steg angelegt werden. Der Diesel leckte zwar weiter, aber der zuständige Mechaniker war noch im Urlaub (er erschien eine Woche später). Selbst Handanlegen war aus garantierechtlichen Gründen untersagt.

Der Verfasser und Gattin gingen am 6. Januar von Bord und machten sich auf den Weg nach Kapstadt - mit dem Leihwagen. Nach einigen Wochen, in denen die Werftleute noch weiter mit dem Abdichten der Yacht (diesmal waren es Fenster und Luken) beschäftigt waren, verließ der Katamaran am 24. Januar (Freitag!) bei günstigem Wetter den Hafen. Zehn Tage später kamen Boot und Besatzung in Kapstadt an ... Es lagen noch weitere Katamarane selben Typs im Yachthafen, deren Eigner ähnliche Geschichten zu erzählen hatten. Sie waren alle einheimische Eigner die, die dreimonatige Garantiezeit in Anspruch nehmen konnten und die sie auch gebraucht haben. Es gibt sicher viele glücklichere Yachteigner, die ihre Boote in Südafrika gekauft haben und in Zufriedenheit über die Meere schippern. Aber wie unsere Geschichte zeigt, kann es manchmal ordentlich schief gehen. Die Entscheidung muss letztlich jeder für sich persönlich treffen.

Graham Drinkwater


Inhalt