Proa P8

Kalapuna, die Proa P8

Hallo Proafreunde,
nach 1 1/2 jähriger Bauzeit (da alles openair) konnte ich im Spätherbst 2010 "Kalapuna" das erste Mal ins Wasser setzen. Leider währte die Freude nicht lange, da sich beim Transport vom Hausdach (Bauplatz der Endmontage) in den Garten einige Haarrisse an der Boden-Bordwand-Verbindung aufgetan hatten. So kam das Boot nach einigen kurzen Ausflügen schnell wieder in den Garten zur Reparatur über die Wintertage.

Doch hier in Kurzfassung die Baugeschichte. Die Langfassung ist über mehrere Artikel im Multihull Report erschienen.

Material

Als Baumaterial wurde Sperrholz in 6 und 8 mm Stärke benutzt. Die Stringer waren aus billiger Pinie mit einem Querschnitt von 20x30 mm gefertigt. Die Rümpfe wurden mit 200 gr Glasmatten als Oberflächenschutz überzogen. Das Unterwasserschiff des Vaka erhielt nochmals einen 300 gr. Überzug zur Sicherheit gegen Grundberührung.

Die Helling

Da weder eine Garage noch eine annähernd glatte Fläche vorhanden ist, war eine gute Unterlage lebenswichtig. Beim Dorfschreiner wurden die Bretter für die Helling in Auftrag gegeben, aus vollen Planken gesägt und gehobelt. Zwei Tage später kam der Lieferwagen mit dem Material vor das Haus. Dann folgten drei Stunden Arbeit mit Wasserwaage und Keilen und dann hatte ich die wahrscheinlich einzige echt plane Fläche im Umkreis von 25 Kilometern. Ich habe die gesamte Konstruktion noch mit Dübeln und Stahldraht am Boden verankert, um sie nicht durch Anrempeln zu gefährden. Die Gelegenheit dazu ist ja bei der Platzknappheit permanent gegeben. Der einzige Platz am Haus, der lange Zeit im Schatten ist. August in der Türkei bedeutet üblicherweise 35° im Schatten. Topfzeit für Epoxi mittags 6-8 Minuten! Wie man auch sieht, wird es ein echter Open-Air-Bau, da vor Mitte Oktober üblicherweise kein Regen fällt.

Der Ama

Nachdem die 5 Meter langen Seitenteile fertig zusammengesetzt waren, habe ich in 20 cm Abstand Löcher am unteren Rand entlang gebohrt, wie auch vertikal entlang der Spantlinie. Dort werden später Kabelbinder durchgefädelt, um das Ganze zusammenzuziehen. Die Kabelbinder sollten mindestens 3-4 mm stark sein, sonst reißen sie unter der Belastung.

Nach dem Trocknen werden die Bugplatten zum Steven gebogen. Als Steven habe ich zwei Sperrholzstreifen zusammengeklebt, wobei der innere um 6mm schmäler ist und als Anschlag für die Bugteile dient. Auf diesen Sperrholzsteven klebe ich noch eine 20mm starke Leiste aus Hartholz die später abgerundet wird, als Schutz bei etwaigen Kollisionen mit Treibgut.

Fertig ist der Ama. Bis auf schleifen, schleifen und dann noch etwas schleifen. Schließlich grundieren und lackieren.

Der Vaka

Gemäß den Abmessungen der benutzten Sperrholzplatten von 170 x 220 cm waren die beiden Einzelteile 170 cm lang. Das Mittelstück hatte also eine Länge von knapp 3,5 m. Eine Länge die bei der Wandstärke von 6 mm von einer Person noch gut gehandhabt werden kann.

Jetzt wurden die Spanten des Waka ausgesägt. Die Mittelspanten wurden mit einer Rahmenkonstruktion aus den 20x30 mm Leisten verstärkt. Dadurch ergaben sich zusätzlich schöne Klebeflächen für die Bordwände. Die mittleren Querleisten werden später zusammen mit den Böden eingesetzt.

Diese Bodenstringer werden jeweils 6 mm vom Rand eingerückt, damit später die Bordwände unten einen sauberen Anschlag haben. Die Stringer ragen im Anschluss hinten "frei schwebend" über die Helling hinaus.

Da es keinen zentralen Kiel gibt, ist auch kein Anschlag für die Bugplatten am Steven vorhanden. Im einfachsten Fall würde der Bug wie beim Ama vorne mit Draht oder Kabelbindern zusammengehalten, die Stevenleiste von oben eingeschoben und dann innen alles mit eingedicktem Epoxy ausgefüllt. Nun ist aber der Steven (aus massiver Kastanie) beim Waka unten 3 cm und oben 7 cm breit - und eben alles etwas größer. Hier mit Bindedraht zu arbeiten ist fast unmöglich. Das Problem wurde wie folgt gelöst. An der Innenseite des Steven wurden zwei Leisten im Abstand von 6 mm zum Aussenrand angebracht. An diese kann jetzt die Bugkante der Bordwände nach dem Zusammendrücken angeschraubt werden.

Schließlich war es soweit und der Waka konnte seinen Platz bei seinem Ama einnehmen. Es war zwar ganz schön anstrengend, aber wir haben es zu Zweit geschafft den 8 m langen Rumpf über die Außentreppe aufs Dach zu tragen. Wir schätzten das Gewicht so auf 80-90 kg. Dort steht er jetzt in Erwartung letzter Arbeiten.

Hier geht's zum Bau der "Kleinteile", wie Mast, Spieren, Ruderanlage, etc.